Führen nach dem Teebeutel-Prinzip

Zum Thema Führung gibt es eine unüberschaubare Fülle an Theorien, Erkenntnissen, Vergleichen und Metaphern. Viele Führungs-Metaphern stammen aus Krieg, Sport und Spiel.

Eine ebenso beliebte wie erkenntnisfördernde Führungs-Metapher bildet zum Beispiel Schach, wozu ich selbst mit meinem Buch über „Die sieben Erfolgsprinzipien der Schachmeister“ beigetragen habe. Allerdings gebe ich neidlos zu, dass die bewährte Führungs-Metapher Schach es in punkto Witz und Originalität nicht mit der Metapher aufnehmen kann, die der indische Motivationsredner und Autor Prakash Iyer 2013 in seinem Buch „The Secret of Leadership“ präsentierte. Darin verglich er Führungskräfte mit – einem Teebeutel!

Teebeutel - DYNAMISCH FÜHRENAls ich das erste Mal auf den Teebeutel-Vergleich stieß, sprach er mich als passionierten Teetrinker sofort an. Zugegeben, die meisten Führungskräfte würden sich wahrscheinlich kaum einen Teebeutel als Vorbild wählen, zumindest ging es mir so. Allerdings habe ich meine Meinung geändert, als ich eine Weile darüber reflektierte. Vielleicht geht es Ihnen ja auch so. Hier also die aus meiner Sicht fünf wichtigsten Führungs-Erkenntnisse aus dem Teebeutel-Prinzip:

1. Worauf es ankommt ist der Inhalt des Teebeutels.

Je höherwertiger der Tee im Teebeutel, desto besser der Geschmack. Übertragen auf Führung: Führungskräfte mit klaren Werten, einer ausgereiften Persönlichkeit und hoch entwickelten Führungskompetenzen erbringen die beste Führungsleistung. Ein goldfarbenes Etikett auf dem Teebeutel sagt genau so wenig über die innere Qualität, wie ein schicker Anzug und selbstbewusstes Auftreten bei einer Führungskraft.

Teetassen - DYNAMISCH FÜHREN2. Erst in heißem Wasser entfaltet sich der volle Geschmack.

Je nach Tee sollte die Wassertemperatur zwischen 80 und 100 Grad Celsius betragen, damit sich der Geschmack voll entfalten kann. Übertragen bedeutet das: Erst in herausfordernden Situationen zeigt sich, wie gut eine Führungskraft wirklich ist. Das können zum Beispiel Unternehmenskrisen und Veränderungsprozesse sein, die entschlossenes Handeln, klare Kommunikation und intensive Interaktion mit allen Stakeholdern erfordern. Das Verwalten des Status quo klappt meist irgendwie mit mittelmäßigen bis schwachen Führungskräften. Allerdings sind die Zeiten lange vorbei, in denen Organisationen jahrelang ohne intensive Veränderungsprozesse erfolgreich sein können. Das heiße bis sprudelnd kochende Wasser ist der Normalzustand geworden.

3. Ein Teebeutel muss durchlässig sein, damit er funktioniert.

Erst wenn das Wasser in Kontakt mit dem Tee kommt, kann der Tee wirken. Dafür ist es erforderlich, dass der Teebeutel durchlässig ist. Genauso können auch Führungskräfte nur dann wirksam sein, wenn sie offen für ihre Umwelt sind und mit ihr interagieren. Führungskräfte, die isoliert und nicht offen für Ereignisse und Ideen von außen sind, werden in einem sich rasch verändernden Umfeld scheitern.

4. Teebeutel funktionieren, egal wo man sie in der Tasse platziert.

Der Einfluss einer Führungspersönlichkeit ist nicht auf ihre formelle Position beschränkt. Egal wo jemand in einer Organisation tätig ist, kann er oder sie positiven Einfluss entfalten, der sich auf andere auswirkt. In agilen Organisationen werden Status und wo man in der Hierarchie platziert ist unwichtig. Gut führen kann man an jeder Stelle in der Organisation, unabhängig vom eigenen Jobtitel.

Teebeutel - DYNAMISCH FÜHREN5. Manchmal braucht man mehr als einen Teebeutel.

Wer Tee in einer Teekanne zubereitet, braucht dafür meist mehr als einen Teebeutel. Entsprechend braucht auch der beste Geschäftsführer in größeren Unternehmen Führungskräfte von gleicher Qualität, die gemeinsam die Herausforderungen angehen und so Veränderungen meistern und den Unternehmenserfolg sichern.

Einige Minuten ziehen lassen

Lassen Sie die Teebeutel-Metapher ruhig ein paar Minuten weiter auf sich wirken, so wie einen Teebeutel im heißen Wasser. Vielleicht kommen Ihnen dann weitere Erkenntnisse, die Ihnen einen neuen Blick auf Ihre Führungsrolle geben. Die Perspektive zu verändern kann Führungskräfte vor Betriebsblindheit und Selbstzufriedenheit schützen. Deswegen halte ich ungewöhnliche Führungs-Metaphern, wie den Teebeutel, für sehr hilfreich. Schreiben Sie im Kommentar, wie Sie das sehen.

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